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Liebe
Einst war sie weit verbreitet,
ich hatte sie,
andere hatten sie,
man bekam sie,
man gab sie,
man lebte mit ihr.
Sie war die Verbindung,
sie war kostbar,
von unschätzbarem Wert,
unbezahlbar,
hoch verehrt.
Mit der Zeit aber schwand sie,
wurde machtloser,
die Verbindung löste sich auf,
man gab sie,
bekam aber nichts,
ihr Wert sank,
sie wurde nebensächlich,
peripher,
man hatte ihren Wert vergessen,
ihre Macht vergessen
und sie schlief ein.
Lange lebte man ohne sie,
hatte sie verdrängt,
verschnürte sie fest,
packte sie weg,
ertränkte sie,
versuchte sie, zu vergessen,
hatte sich an das ohne-sie schon fast gewöhnt,
betrog sich selber,
betrog andere,
andere betrogen sich,
gut versteckt jedoch schlummerte sie.
Letzten Endes zerfetzten die Schnüre,
das Packet flog entzwei,
sie sprudelte hervor
und man schmückte sie in schöne Gewänder,
gab sie als Geschenk an andere,
mit strahlenden Augen,
voller Hoffnung,
sie wieder aufleben zu lassen,
doch man lehnte dankend ab,
wieder und wieder tat man es,
doch niemand wollte sie haben.
15.09.2004
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